Grundlagen der grünen Wasserstoffstrategie

Mit der Grünen Wasserstoffstrategie wollen wir unser Land in eine Zukunft mit sauberem Strom, sauberer Industrie und sauberer Mobilität führen. Daran orientieren wir die Ausgestaltung unserer Wasserstoffstrategie. Zugleich gilt: „Efficiency First!“ – denn noch günstiger und naturverträglicher ist jede Kilowattstunde, die gar nicht erst erzeugt werden muss. Bei der grünen Wasserstoffstrategie lassen wir uns von drei Zielen leiten.

  1. Wasserstoff aus Erneuerbaren Energien - Klimaschutz ernst nehmen
  2. Wertvollen Wasserstoff klug einsetzen - Vorrang für Industrie, Schwerverkehr und Versorgungssicherheit
  3. Wirtschaft und Industrie stärken - Arbeitsplätze sichern und innovativer Industriestandort bleiben

Um Wasserstoff in der Breite nutzen zu können, müssen die Erneuerbaren Energien ausgebaut werden.

 

 

 

 

Wasserstoff in der aktuellen Debatte

Die Diskussionen um Wasserstoff als Teil der Energie-, Verkehrs- und Industriewende hat in den letzt Monaten erheblich Fahrt aufgenommen. Mit unseren GRÜNEN Vorschlägen, die wir vorgelegt haben, möchten wir unseren Beitrag dazu leisten. Hier finden sie meine aktuellen Beiträge, wie Reden im Bundestag, Pressemitteilungen und parlamentarische Initiativen.

 

 

 

FAQ Wasserstoff in der Energiewende

Wasserstoff ist in den letzten Jahren immer mehr in den energiepolitischen und -wirtschaftlichen Debatten thematisiert worden. Sowohl für den Klimaschutz als auch für die Wirtschaft liegen hier große Chancen. Die gilt es in den nächsten Jahren zu nutzen, ohne unerfüllbare Erwartungen zu wecken.

Mit diesem FAQ wollen wir auf die wichtigsten Fragen Rund um den Bereich Wasserstoff eingehen und kurze Erklärungen sowohl zur technischen als auch zur politischen Dimension geben. Sollten Sie eine Antwort vermissen, schreiben Sie uns gerne eine Mail.

 

Wasserstoff (chemisches Zeichen "H") ist ein Gas, dass als Molekül vorkommt (chemisches Zeichen H2). Es kommt in der Natur nur in geringen Mengen in reiner Form vor, meist tritt es in chemischen Bindungen auf. Es ist das am häufigsten vorkommende Element in unserem Universum. Es ist das erste und leichteste Element im Periodensystem (Nr. 1).

Heute werden über 80% des weltweit verbrauchten Wasserstoffs aus Kohlenwasserstoffen hergestellt. Dabei wird über unterschiedliche chemische oder physikalische Verfahren der Wasserstoff aus den Kohlenwasserstoffverbindungen gelöst und kann dann aufbereitet und weiterverarbeitet werden. Dabei entsteht als Nebenprodukt CO2, die Klimabilanz dieser Verfahren ist daher negativ.

Eine wichtige Alternative hierzu ist die Elektrolyse. Hierbei wird die Spaltung von Wasser (H2O) in die atomaren Bestandteile Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) durch elektrische Energie durchgeführt. Die chemischen Prozesse werden hier ausführlicher dargestellt [externer Link zu Wikipedia]. In diesem Fall ist die Klimabilanz maßgeblich von dem genutzten Strom abhängig.

Durch die begrenzte Flächenverfügbarkeit für erneuerbaren Strom in Deutschland und Europa muss auch der Import von Grünem Wasserstoff ermöglicht werden. Dafür muss zum einen die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. Zum anderen müssen auch geo- und außenpolitische Faktoren berücksichtigt und Menschenrechte und Naturschutz gesichert werden.

 

Wasserstoff wird derzeit hauptsächlich in der Industrie verwendet. Dabei kommt zum Beispiel ihm in der Ammoniakproduktion nach dem Haber-Bosch-Verfahren eine zentrale Rolle zu. Auch wird es in der Verhüttung metallischer Erze zur Gewinnung von Metallen mit hoher Reinheit verwendet. Andere Beispiele der Verwendung lassen sich in der Lebensmittelindustrie und als Kühlmittel beispielsweise von Supraleitern finden.

In den letzten Jahren wird er vermehrt auch zum Antrieb von Fahrzeugen und Zügen eingesetzt. Der erste Wasserstoffzug wurde 2018 in Niedersachsen in den Regelbetrieb übernommen. Wasserstoffbetriebene Autos fristen seit Jahren ein Nischendasein und werden nur im geringen Maße in Deutschland zugelassen.

Aktuell wird Wasserstoff in der Stromversorgung nicht eingesetzt, wenige Ausnahmen sind Forschungsprojekte mit gesondertem Status. Kurzfristig ist Wasserstoff für die Abschaltung der Kohlekraftwerke auch nicht notwendig, da genügend andere Speicherpotentiale zur Verfügung stehen. Aber Gas wird auf Dauer eine Rolle spielen für die Versorgungssicherheit. Um die Klimaziele zu erreichen, wird deshalb beim Ausstieg aus Erdgas Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen, um an den wenigen Tagen im Jahr ohne Wind und Sonne die Stromversorgung abzusichern.

Die Produktion von Wasserstoff aus Erneuerbaren Energien ist eine vielversprechende Möglichkeit der Speicherung von Strom. Dafür muss zum einen Strom aus Erneuerbaren, der Aufgrund fehlender Netzkapazitäten nicht eingespeist werden kann, direkt zur Wasserstoffproduktion genutzt werden können. Dies verweigert die Bundesregierung seit Jahren. Zusätzlich wollen wir die Produktion von Wasserstoff aus Erneuerbaren Energien auch im größeren Rahmen ermöglichen.

Wir brauchen jetzt neben Finanzierung für Forschung vor allem eine Modernisierung des Strommarktes, die eine Implementierung der Ressource Wasserstoff in unsere Energiewirtschaft vorantreibt. Auch ein Importsystem für Wasserstoff muss getestet entwickelt werden. Auf jeden Fall ist Wasserstoff ein teurer und sehr wertvoller Energieträger. Deswegen wollen wir ihn dort einsetzen, wo eine Versorgung anders kaum möglich ist.

 

Wasserstoffanwendungen im Mobilitäts- und Transportbereich befinden sich bereits in Kleinserie im Einsatz. Aufgrund der knappen Verfügbarkeit ist es unabdingbar, Schwerpunkte in der Nutzung von Wasserstoff zu setzen.

Für den Individualverkehr gibt es mit dem E-Auto deutlich effizientere Wege, zu einer klimafreundlichen Antriebstechnologie zu kommen. Die Entwicklungen in den letzten Jahren haben gezeigt, dass hier insbesondere in Reichweite und Effizienz erhebliche Forschritte gemacht werden konnten. Für den Transport von Lasten auf weiten Strecken ist die Bahn am effizientesten.

Es bleiben die Bereiche des Schwerlasttransports und des Flugverkehrs, in denen der Einsatz von Wasserstoff sinnvoll ist. Im Flugverkehr sind allerdings noch zahlreiche technische Entwicklungen nötig.

Weiter GRÜNE Ideen sind im Autor*innenpapier "Klimaschutz im Verkehr" zu finden.

Für die Industrie ist die Nutzung von Wasserstoff in industriellen Prozessen schon heute notwendig und eine große Chance für die Umstellung auf klimaverantwortliche Verfahren. Großes Potenzial für die Nutzung von grünem Wasserstoff besteht vor allem auch in Industriezweigen, die wenig technische Möglichkeiten zur Dekarbonisierung besitzen. Beispielsweise in der Stahlindustrie lassen sich die Produktionsprozesse durch den Einsatz von Wasserstoff als Reduktionsmittel in den Hochhöfen klimaneutral gestalten, wenn dieser Wasserstoff aus Ökostrom hergestellt wurde. Auch in der chemischen Industrie ruhen große Hoffnungen auf der Verfügbarkeit von sauberem Wasserstoff. Der Industriesektor ist zentral für eine funktionierende Klimaschutzstrategie, da 25% der globalen CO2-Emissionen bei der Produktion von wenigen Grundstoffen entstehen.